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Dienstag, 29. September 2015

Interview mit Nini Tsiklauri (Layla):
"Am liebsten würde ich ja alles unter einem Hut packen wollen, Film, Musik und politisches Engagement."

Was ist alles seit Deiner Zeit bei Schloss Einstein passiert und was machst Du im Moment?
Seit Schloss Einstein 2010 abgedreht wurde, bin ich von Erfurt nach Nordrhein-Westfalen gezogen, um wieder bei meiner Familie zu sein und mein Abitur zu machen. In dieser Zeit ist viel passiert, weil ich mich selbst fragen musste, was mir am Meisten am Herzen liegt zwischen Schauspiel, Musik und Politik. (Ein paar Sachen aus der Zeit sind im Buch „Dieses bescheuerte Herz“ von Lars Amend verewigt.) Viele Fragen sich, warum ich mich politisch engagiere und nicht nur im Schauspiel- und Musikbereich bleibe. Das hat viel mit meinen Wurzeln und meines Engagement- Drangs zu tun, ständig Gutes bewirken und die Welt zu einem besseren Ort machen zu wollen.

In der Sommerpause von den Dreharbeiten von „Schloss Einstein“, in 2008, bin ich mitten im Krieg in Georgien gewesen. Meine Familie hat spontan beschlossen nach langer Zeit mal wieder das Land im Sommer zu besuchen. Als wir dort angekommen sind, brach der Krieg aus. Mitgekriegt habe ich das alles, als ich mit meiner Familie im Auto von West- nach Ost-Georgien fuhr und am Horizont plötzlich lauter Panzer auftauchten. Aus der Hauptstadt Tiflis, wo wir dann später ankamen, konnte man keinen Flug nehmen, da der Flughafen gesperrt war. Die Filmproduktion hatte sich bereits gemeldet und geraten so schnell es geht das Land zu verlassen. Doch die einzige Möglichkeit bestand darin, in Batumi über die Grenze zu kommen, um dann einen Flug aus der Türkei zu nehmen. Also fuhren wir wieder nach Westen und die einzige Straße, die dort hinführt, war die Straße, die durch das Epizentrum des Krieges geht. Auf diesem Weg habe ich dokumentiert, wie die Bomben in der Nähe fielen, wie der schwarze Rauch von den zertrümmerten Häusern aufstieg, wie wir durch das Feuer fuhren und mein kleiner Bruder sich hinten im Auto fest an mein Arm klammerte. In dem Moment wusste ich es: wenn ich das überlebe, werde ich alles was ich meiner Macht steht tun, um zu verhindern, dass das meinem Heimatland jemals wieder passiert. Mir wurde in der selben Sekunde klar, dass ich auch die Möglichkeit dazu hätte und eigentlich schon längst angefangen habe. In März 2008 empfang ich, mit ein paar meiner Schauspielkollegen, die Bundeskanzlerin im Rahmen der „Thüringer Zukunftskonferenz“ in Erfurt. Statt sie, wie vom Protokoll vorgeschrieben, nur zu begrüßen, bat ich sie als junge Botschafterin Georgiens den Beitritt Georgiens beim anstehenden NATO-Gipfel in Bukarest zu befürworten. Auch wenn dies später nicht der Fall gewesen ist, wurde diese kleine Geste in Georgien in den Nachrichten ausgestrahlt und gab den Einen oder Anderen Hoffnung. Als wir sicher und heil wieder Zuhause ankamen, versuchte ich meine Aufnahmen vom Krieg zu publizieren und meine Sicht zu erzählen. Mich erschütterte die einseitige pro-russische Berichterstattung in Deutschland zu der Zeit zutiefst. Was viele auch nicht wissen ist, dass nur ein Tag nachdem ich wieder in Deutschland angekommen bin, direkt nach Berlin fuhr um den Song „Regenbogenzeit“ im Studio aufzunehmen. Beim Einsingen spielten sich all diese Bilder im Kopf ab und wahrscheinlich hat es nicht nur Layla geholfen eine schwere Zeit zu überstehen und stark zu bleiben.

Nach meinem Abitur bin ich zum Studium nach Wien gezogen, wo auch meine Tante studiert hatte und es mir immer wieder ans Herz legte. Kurze Zeit darauf schrieb ich auf englisch ein Buch über Europas Jugend in Berlin zusammen mit Co-Autoren aus 11 verschiedenen europäischen Ländern, das neulich auch gut in Georgien ankam. Nach dem Bachelor in Politikwissenschaften, plane ich auch meinen Master nächstes Jahr in Internationalen Beziehungen zu machen.

Hilft die bei Schloss Einstein gesammelte Erfahrung gegen das Lampenfieber oder bist Du immer sehr aufgeregt, wenn es vor die Kamera geht?
Ich muss gestehen so richtig Lampenfieber hatte ich noch nie, weil in dem Moment wenn es losgeht, spüre ich, dass ich es liebe und dafür lebe vor der Kamera oder auf der Bühne zu stehen. Schloss Einstein hat das auf jeden Fall regelmäßig herausgefordert. Ein gewisses Kribbeln ist aber natürlicherweise immer dabei.

Zu Popstars…
Zu Anfang des Jahres wurde ich direkt in das Projekt eingeladen. Es hieß, es hat nichts mit den Shows vorher zu tun und erfindet sich gerade komplett neu und fokussiert sich stark auf begabte Musikerinnen und Songwriting steht im Vordergrund. Mir wurde auch die Möglichkeit angeboten meine deutschen Songs mit reinzubringen, was der ausschlaggebende Argument gewesen ist. Es hat sich wirklich sehr spannend angehört und ich hätte es sonst niemals gemacht, weil ich es nicht mag wenn man mir die musikalische Freiheit nimmt. Ich habe mich darauf gefreut ganz nach Gefühl mit den anderen talentierten Mädels in der Akademie zu jammen und Songs zu schreiben. Es geschah dann auch so, nur hinter der Kamera. Was vor die Linse bzw. dann in die Sendung kam, wurde entschieden und unsere Handys wurden eingesammelt. Ich wünschte das Projekt wäre so umgesetzt worden, wie es am Anfang gedacht war. Statt, dass eine Band sich von selbst findet und sich selbst begleitet, was definitiv möglich gewesen wäre, ging es doch in eine ganz andere Richtung am Ende, die mir, auch mit meiner Tanz- Vergangenheit, gar nicht gepasst hätte. Dafür hatte aber ich die besten Vocal-Coaches, die man sich nur wünschen kann (Jini von Luxuslärm und Pamela Falcon) und viele wunderbare neue Freundschaften geknüpft.

Wo soll es in Zukunft für Dich noch hingehen?
Am liebsten würde ich ja alles unter einem Hut packen wollen, Film, Musik und politisches Engagement. Ich bin selbst sehr gespannt, wo es mich in der Zukunft hinzieht.

Wenn Du auf Deine Zeit auf Schloss Einstein zurück blickst : Was vermisst Du am meisten?
Ich vermisse mein gesamtes SE-Team. Von diesen wunderbaren und einzigartigen Menschen umgeben zu sein und das Gefühl zu haben, dass man eine riesige verrückte Familie hat. Dass unsere Generation, so besonders gewesen ist, hatte sicherlich nicht nur mit den Schauspielern zu tun, sondern auch mit den Leuten die hinter der Kamera einen wahnsinnig guten Job gemacht haben. Wir haben 2007 alle zusammen ganz neu in Erfurt angefangen und man hat gemerkt, wie sich alle bemüht haben, dieses neue Projekt „Schloss Einstein Erfurt“ so gut wie möglich hinzukriegen. Ich erinnere mich an die Regisseure und Regisseurinnen, die, von Anfang an, aus jeder einzelnen Szene das Maximum rausgeholt haben, überaus kreativ und leidenschaftlich an der Umsetzung der Drehbücher gearbeitet haben. Wir haben alle unser 100% für dieses Projekt gegeben und hatten auch noch eine Menge Freude dabei. Genau diesen Einsatz und diese Teamarbeit vermisse ich heute.

Hast Du mit den anderen Darstellern oder dem Team noch Kontakt?
Leider nur gelegentlich. Aber wahrscheinlich sieht man den Einen oder Anderen in der Zukunft mal wieder! Witzig wäre es doch, wenn man sich bei einer anderen Serie trifft.

So spontan, welche Geschichte von Layla ist Dir besonders in Erinnerung geblieben?
So spontan denke ich erstmal natürlich an die Multiple Sklerose-Geschichte, da sie mir, neben der großen Liebesgeschichte, einiges abverlangt hat. Ich habe mich vor den Dreharbeiten mit der Krankheit genauer auseinandergesetzt und mich langsam in die Rolle reinversetzt. Das war wirklich eine Herausforderung in einer Szene gleichzeitig gut drauf, liebenswürdig, sauer, panisch, ängstlich und zum Schluss authentisch blind zu sein und zu einen Anfall zu bekommen. In Erinnerung sind mir auch die Regenbogenzeit-Szenen geblieben, bei denen ich mich beim Dreh wie ein Fisch im Wasser gefühlt habe. Musik, die ich liebe und Film in eins, das war wie Weihnachten.

Wenn Du/ Layla einen Gastauftritt hätte, wie würde der aussehen?
Dr. Berger hat eine komplizierte OP notwendig, nach dem er bereits eine Herzattacke erlitt und liegt in einem tristen Zimmer im Erfurter Krankenhaus. Sein Arzt berichtet ihn später, dass das Krankenhaus extra eine Herzspezialistin haben einfliegen lassen, die sich so schnell es geht um darum kümmern wird. Neugierig besteht er darauf zu wissen, wer sie ist. In dem Moment sieht man wie ein Taxi vor einem Hotel auffährt, die Tür aufgeht und eine Frau im Business-Outfit aussteigt. „Layla!“ ruft eine bekannte Stimme aus dem Off. Layla dreht sich wie im Vorspann um und geht glücklich zu Mounir um ihn zu umarmen….. oder so…es gibt sicherlich auch coolere Gastauftrittsszenarien. Wäre gespannt, ob wer eine bessere Idee hat!

Schaust Du die neuen Folgen von Schloss Einstein?
Nur wenn ich zufällig mal um die Zeit am Fernseher bin, was aber sehr selten vorkommt.

Im Nachhinein, was hat Dir die Zeit bei Schloss Einstein gebracht?
Ich habe mich in dieser Zeit sehr weiterentwickelt schauspielerisch aber auch musikalisch. Ich habe gelernt, dass es sich auf jeden fall lohnt sein Bestes zu geben und sich einer Sache mit ganzer Kraft zu widmen.

Welchen Tipp würdest Du den jungen Schloss Einstein Fans mitgeben?
Zuerst einmal möchte ich mich bei jedem Einsteiner herzlich bedanken für die langjährige Unterstützung. Das ist alles gar nicht so selbstverständlich und erwartet haben wir das, aus unserer SE- Generation, ganz sicher nicht. Ich habe das Gefühl, dass wir alle zusammen, ob Fan oder Teammitglied Einsteiner sind und zu einer Familie gehören. Egal, wo es uns hinzieht, welchen Berufen wir nachgehen werden, es wird damit immer etwas geben, was uns verbindet und daran erinnert wer wir waren. Bleibt euch treu und hört nie auf auf euer Herz hören.

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